Sissyfication verstehen

Ich habe heute einen sehr ausführlichen Beitrag im „Darkside“-Magazin über eine Form des BDSM-Rollenspiels gelesen, den ich sehr gut fand, auch wenn ich die Überschrift erstmal etwas verstörend fand: „Bimbofication: A Deep Level of Roleplay“.

Ich muss gestehen, dass ich den Begriff „Bimbofication“ noch nie gehört habe und ihn zunächst mal ziemlich merkwürdig fand, da für mich rassistisch klingend. Ich hab dann nach Lektüre des Textes verstanden, dass er für etwas Ähnliches wie Sissyfication steht, also für einen Mann, der eine relativ bestimmte Form von Frauenkleidern trägt bzw. „gezwungen wird“ zu tragen. Etwa ein Dienstmädchen-Outfit oder Kleidung, die vor allem auf sexuelle Erregung zielt. Ich habe dann „Bimbofication“ gegoogelt und gelernt, dass es sich um einen Slang-Begriff handelt, der schon ein paar Jahre alt ist. Ok, verstanden, wird aber trotzdem nicht in meinen Sprachgebrauch überwechseln.

Aber eigentlich ging es ja um den Text, der versucht mit ein paar Vorurteilen rund um – ich bleibe jetzt bei dem Wort – Sissyfication aufzuräumen. Vor allem damit, dass es nichts damit zu tun hat, dass ein Mann das Gefühl hat, im falschen Körper zu stecken und eher eine Frau zu sein, sondern dass es sich um eine besondere Form des Rollenspiels handelt.

A sissy will be sexually aroused by the thought of dressing as a woman. As I’m sure you would have seen, sissies tend to take on a type of stereotype such as a maid, whore or bimbo. The rationale is because they have at some point been aroused by such figures. The sexual desire has evolved into a curiosity and pursuit to experience from the perspective of the sexualised stereotype. (…) Just as when they dress as an erotic stereotype and even carry out homosexual acts, it’s all roleplay. A very advanced level of roleplay as they will almost always revert back to their original male form. Another common aspect of sissification roleplay is forced feminisation. Whereby the evil bitch dominatrix has somehow enslaved the submissive as her toy, usually with the use of blackmail. The dominatrix then strips the submissive of his rights and identity by turning him into a sissy, teaching him how to think, feel and act in an exaggerated feminine way. Again, this is another deeper level of role play. It’s all part of the act and the game for the submissive to resist and say no. To pretend that they’re horrified about wearing ladies’ panties and sucking a dick all the while they’re obviously very aroused by the act and in total sissy heaven.

Ich muss gestehen, mich erregt das sehr und vermutlich ist das durchaus einer der Kinks, die in meinem Kopf leben. Es ist einer von denen, mit denen die Dame meines Herzens wenig bis gar nichts anfangen kann. Ich hatte mal ein recht billiges Dienstmädchen-Outfit, aber das ist im Keller verschwunden, da nicht gewünscht. Ab und zu durfte ich einmal unter der „normalen“ Kleidung eines ihrer hübschen Spitzenhöschen tragen, und das fand ich immer sehr aufregend. Es ist halt etwas, was ein Mann nicht macht. Und etwas, was niemand anderes sehen kann, ein kleines schmutziges (und ein bisschen peinliches) Geheimnis zwischen ihr und mir. Und ich habe ein Faible für Strumpfhosen und auch für halterlose Strümpfe – sowohl an meinem Gegenüber als auch an mir selbst.

Aber dass man einen Kink nicht wirklich auslebt, weil es halt nicht passt, ändert ja nichts daran, dass man ihn gerne verstehen möchte. Und dafür fand ich den Text sehr gut. Vor allem dieser Widerspruch zwischen „dazu gezwungen werden wollen“ und es eigentlich ja ganz erregend zu finden, was den „Zwang“ ja irgendwie ad absudrum führt, fand ich immer irgendwie schwierig. Aber vielleicht ist das auch einfach so bei Rollenspielen, ob sie ein paar Stunden dauern oder auch ein paar Tage oder Wochen, dass nicht alles darin wirklich logisch und erklärbar ist. Hauptsache ist doch, es ist lustvoll und macht Spaß.