D/s hui, Spießigkeit pfui

Ich hatte gestern so einen Gedankenblitz, dass D/s und Spießigkeit vielleicht nur eine Winzigkeit voneinander entfernt liegen. Naja, oder dass D/s sich vielleicht Elementen der klassischen Spießigkeit bedient.

Also wenn sie zum Beispiel kritisch anmerkt, dass die beiden Saftkartons, von denen man einen gerade benutzt hat, nicht mit der gleichen Seite nach vorne nebeneinander stehen.

In einem D/s-Kontext würde man diese Maßregelung jetzt beschämt hinbehmen, selbstverständlich sofort zurückgehen und den Fehler korrigieren. Aber außerhalb von D/s? Ist man einfach nur genervt, weil diese Wahrnehmung verglichen mit anderen Dingen jetzt doch … irgendwie spießig ist?

Wenn die Frauen sprechen

Ein Bild, das mir auf Twitter begegnet ist.

Still! Die Frauen sprechen.

Es war schon immer eine meiner Fantasien den Tisch zu decken und die Getränke vorzubereiten und dann vielleicht noch die Tür zu öffnen, wenn die Dame meines Herzens Besuch bekommt. Und dann zu verschwinden und mich mit der Nase an der Wand in die Kammer zu stellen. Und nur noch zu schauen, ob etwas benötigt wird, was ich holen muss.

Gerne stelle ich mir da auch vor, ein solches E-Erziehungsgerät um den Oberschenkel (oder woanders…) zu tragen, so dass sie mich mit einem unauffälligen Druck auf den Knopf lautlos rufen kann.

Oder aber dass ich einfach still auf dem Boden kauere, so dass die Dame meines Herzens ihre Füße auf mir ablegen kann, während sie mit einer Freundin telefoniert. Heute im Corona-Zeiten wäre es vermutlich sogar eher eine Videokonferenz, bei der ich unter dem Tisch liegen darf, ihren Füßen ganz nahe.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich viel kann, aber ganz schlecht meinen Mund halten. Umso mehr hätte es mir immer gefallen, dass von der Dame meines Herzens beigebracht zu bekommen: „Shhh! Die Frauen sprechen.“

Macht und Dominanz ausleben

In der „Süddeutschen Zeitung“ ist heute ein Text mit dem sicher bewusst provokanten (und auf Klicks optimierten) Titel „Emanzipation zerstört die Erotik“. Im Kern werden dort Studien und SexualwissenschaflterInnen zitiert, die zu dem Schluss kommen, dass die heutigen Beziehungen auf Augenhöhe zwar gut sind (Gleichberechtigung und so), aber auch einen Nachteil haben:

Weil die Lust auf Gleichberechtigung die Lust aufeinander schwinden lässt.

Oder: Kein Bock auf Sex, wenn der Mann immer schön die Wäsche aufräumt und im Vergleich der Rollenverteilung von vor 100 Jahren zurücksteckt. Hoppla, da hört wohl jede und jeder D/s-Interessierte genau zu:

Sex dient nicht nur der Triebabfuhr – ginge es darum, wäre ein Partner weitgehend entbehrlich. „Sex ist immer auch ein Kampf um Macht und Dominanz“, schreibt US-Autorin Gottlieb. Männer und Frauen müssten lernen, diese Impulse spielerisch einzusetzen, ohne dass die Partnerschaft aus dem Gleichgewicht gerät. Wer zwanghaft versucht, auch im Bett dieses Gleichgewicht beizubehalten, bringt sich selbst um das Glücksgefühl, sich fallenlassen zu dürfen.

Kann ich gut nachvollziehen. Wobei für mich ein Ungleichgewicht in bestimmten, gemeinsam ausgehandelten Punkten jenseits „des Betts“ auch dazugehört, um zu einem Glücksgefühl des Fallenlassens zu kommen. Etwa indem man grundsätzlich das Recht über seine Sexualität, seinen Höhepunkt, dem Partner überträgt (Keuschheit). Oder indem man Aufgaben im Alltag übernimmt bzw. aufgetragen bekommt, bei denen es bei einer nicht ausreichenden oder fehlerhaften Erfüllung ganz banal Strafen gibt.

Der Text konzentriert sich mehr auf das Thema, (Rollen)spiel rund ums Bett, liest sich in so einem Mainstream-Medium allerdings doch recht interessant. Nur: Es wird irgendwie fast überall davon ausgegangen, dass Frau den Wunsch hat, sich zu unterwerfen gegenüber dem männlichen Krieger, dem verschwitzten Kerl, der Dreck macht statt ihn wegzuputzen.

Hey, und was ist mit uns Männern, die es genau andersrum haben wollen? Immerhin an einer Stelle blitzt es auf, dass es auch sorum sein könnte:

Wer welche Rolle übernimmt, ist dabei nicht die Frage. Das kann wechseln. Wichtiger ist, dass einer von beiden bereit ist, die Führung zu übernehmen. Und einer, die Kontrolle abzugeben.

Insofern ein interessanter Text, vielleicht hilfreich für den einen oder die andere, der/die ganz vorsichtig Partner oder Partnerin einen Einblick in die eigenen Fantasien geben möchte. Ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Und ohne auf irgendwelche Seiten zu verweisen, die vielleicht schon viel zu weit gehen.