Ein spezieller Hochzeitsring

Ich besitze eine Keuschheitsapparatur. Ein Keuschheitsgürtel ist es ja eigentlich nicht, sondern eher eine Keuschheitsschelle oder ein Keuschheitskäfig. Allerdings benutze ich sie eher selten, weil die Dame meines Herzens das alles eher umständlich findet.

Trotzdem lese ich immer wieder gerne darüber, in bestimmten Blogs zum Beispiel. Aber noch lieber in der Mainstream-Presse wie z.B. der „Huffington Post“ – und noch lieber, wenn es ohne so eine „Iiiih, wie merkwürdig“-Attitüde dargestellt wird. Sondern eher neugierig, interessiert – und sachlich.

Now the couple thinks of the chastity device — which Lion wears at pretty much all times unless he’s bathing, going to the doctor or Lioness decides to temporarily release him from it to have sex — as “more like a wedding ring.”

“It’s a symbol of commitment,” Lion said. “It’s not so much a sex preventative, because the truth is I’m not going to do anything whether I’m locked or unlocked at this point… So, it’s a symbol of, number one, my commitment to her and it’s also her commitment to me, because I’ve transferred to her any opportunity I may have for sexual satisfaction. I mean, without her, I don’t get it. So, she’s got kind of a responsibility to take care of me in that respect.”

The couple has found that they’re much more intimate and closer physically, too.

Unten an dem Artikel hängt noch ein 12 Minuten langer Podcast dran. Anhörenswert.

 

Wie ein Ehering

Wenn Mainstream-Medien über Dinge wie Keuschheit schreiben, kann das ja schnell in die Hose gehen. Die „Huffington Post“ schafft es immerhin über ein Paar, das sich für eine dauerhafte Form von Keuschhaltung entschieden haben, so zu schreiben, dass das eher interessant als „abartig“ oder „exotisch“ klingt – auch wenn der Text jetzt nicht so wahnsinnig tiefgehend ist.

Mir hat das gefallen:

Now the couple thinks of the chastity device — which Lion wears at pretty much all times unless he’s bathing, going to the doctor or Lioness decides to temporarily release him from it to have sex — as „more like a wedding ring.“

„It’s a symbol of commitment,“ Lion said. „It’s not so much a sex preventative, because the truth is I’m not going to do anything whether I’m locked or unlocked at this point… So, it’s a symbol of, number one, my commitment to her and it’s also her commitment to me, because I’ve transferred to her any opportunity I may have for sexual satisfaction. I mean, without her, I don’t get it. So, she’s got kind of a responsibility to take care of me in that respect.“

Und, ja, fast könnte man(n) da ein bisschen neidisch werden.

 

Selbstbefriedigung ist ekelhaft

Ich habe heute auf einem tumblr-Blog den folgenden Text gelesen:

Masturbation is a selfish, self centered, juvenile, and disgusting habit that almost all if you justify as being “normal” or “natural”.

Body odor is normal and natural, the passing of gas, vaginal odor, a dense thicket of pubic hair… All of these things are natural and normal, and yet they are still offensive, if not disgusting.

No woman alive would be proud of the fact that their husbands, boyfriends, lovers, or even their sons sit in front of the computer frantically tugging at that noodle between his legs.

It is unecceptable.

Die Frage, um die es ging, war: Darf eine dominante Frau es ihrem submissiven Partner durchgehen lassen oder gar erlauben, sich selbst zu befriedigen? (also wenn sie nicht dabei ist oder das explizit von ihm verlangt *g).

Wenn man das so liest würde ich sagen: klarer Punkt. Oder?

Gut für Dich, gut für mich

Bei einem meiner Lieblingsblogs „Denying Thumper“ hab ich diese schöne Beschreibung gefunden, was es mit einem macht, wenn man sich nicht selbst anfassen darf. Vulgo: Keuschheit.

“Can you feel it?”

Belle asked me that as I was wrapped myself around her in bed, pressing my naked body against as much of her bed-clothed body as possible, hard stuffed tube pushing into her thigh. We’re at about the end of the second week of my six week lock-up prior to Spring Break.

“Yes,” I said quietly into her hair.

And I can. A lot. Everything is so much more now. How she looks, how she feels, how she smells, how she tastes. I’m starting to think more about what she might want or how she might feel about something or what she’d want me to do. It’s like fucking magic.

“I can tell,” she said before turing over to sleep, “It’s good for you.”

Whimper.

Then, after a moment, “It’s good for me, too.”

Ich kann mich gut an dieses Gefühl erinnern. Wie sich der eigenene Blick auf die Dame meines Herzens verändert, wie man sie ganz anders ansieht, ihre Blicke auf einen ganz anders wirken, wie ihr Duft so unglaublich begehrenswert wird uns so weiter und so fort. Ist es gut? Kein Zweifel, es ist ein wunderbares Gefühl – wenn man auf sowas steht. Für alle anderen ist das vermutlich schwer nachvollziehbar. Und es gibt die eine oder andere Nacht in der man schwer einschläft, weil es da unten so juckt und kribbelt. Aber auch das ist gut. Auf diese spezielle Weise.

In einem Interview mit einer Domina anlässlich der 50 Shades of Dingens Festspiele habe ich diesen Satz gelesen:

Nicht vergessen darf mach auch, dass hinter sadomasochistischen Phantasien oftmals einfach nur der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit steckt. Und das ist ein Wunsch, der im SM sehr gut befriedigt wird. Man denke nur an die SM-Spielart Bondage, bei der ein Partner sehr zeitaufwendig den anderen fesselt.

Und das ist der Punkt. Es geht nicht nur darum, keusch zu sein, seine Sexualität jemand anderem zu schenken. Es geht auch darum, dass der andere davon Gebraucht macht. Einen immer wieder darauf hinweist, was man gerade nicht darf. Mal anfasst um zu schauen, ob noch alles da ist, wenn es doch nicht benutzt werden darf. Sich selbst Lust verschafft (oder verschaffen lässt) und dem anderen zeigt, was er alles nicht darf – weil er Sub/Sklave/Diener/Wasauchimmer ist. Was er sich verdienen muss. Oder was von ihrer Lust und ihren Launen abhängt.

Das macht Chastity (ein schöneres Wort als unser Keuschheit) so prickelnd und spannend, es ist was anderes als selbstgewählte Enthaltsamkeit. Das kann sich jede/r selbst vornehmen, aber es macht dann keinen entsprechenden Spaß.

Und im Idealfall ist es eben einfach gut. Gut für beide.

Aus der Seele gesprochen (2)

Bei dem Beitrag von „Denying Thumper“, über den ich schon schrieb, findet sich noch ein Absatz,den ich so unterschreiben würde – und der dieses komplizierte Ding mit der Keuschheit vielleicht ein bisschen erklärt.

Second, I want to be in a state where I want to come. Yes, duh, right? But no, not if you think about it. So many guys into denial are into denial (myself included) which means they want to be denied. Where I’m saying I want to be more often is where I want to fucking come all the time and don’t only because she won’t let me. If she said, “Thumper, now!” I’d happily spew forth without reservations.

Man(n) sehnt den Zustand herbei, dass man(n) wirklich, wirklich kommen will. Es einem egal ist, was man schon immer über Keuschheit gedacht hat und dass es einem egal ist, dass man(n) doch immer behauptet, unbefriedigt sei man(n) aufmerksamer blablabla. Dieser Zustand, wo man einfach so … ist, dass man(n) es will. Jetzt. Sofort.

Und dass sie dann in diesem Moment sagt: Nein.

Oder wie Thumper schreibt:

And sweet Jesus, it makes me want to come in her. To spray myself all over the walls that bigger dick pushed beyond my reach. To mark and retake her pussy as mine. It hurts, I want to come so bad. So I told her.

“I want to come in you.”

“No, you don’t.”

“Yes. Yes, I do.”

“No, you really don’t.”

“But I do…”

Silence.

Had she said the word, I would’ve done it. Like that. But she didn’t so I didn’t.

Her goal not to let me come once this year: Intact

My goal to want to really a lot: Intact

Keuschheit – 75 Tage später

Seit Mitte Oktober habe ich <s>nicht mehr an mir selbst herumgespielt</s> mit einer winzigen Ausnahme nicht mehr an mir herumgespielt. Es war ein Missverständnis und dafür wurde ich – zu Recht, natürlich – als Erziehungsmaßnahme und zur Buße zwei Wochen auf eine recht strenge Diät gesetzt.

Aber eigentlich unterliege ich seit Mitte Oktober einem unbegrenzten Keuschheitsgebot. Ich darf mich dort unten nicht berühren, außer zum Waschen und auf der Toilette. In der Zeit hatte ich zwei mal einen Höhepunkt, weil SIE es so wollte. Einmal musste ich 40 Tage warten, das zweite Mal 16 Tage. Ist jetzt auch schon wieder 18 Tage her.

Was ich aber feststelle: Es wird immer einfacher. Am Anfang waren vor allem die ersten Tage schwierig, so innerhalb der ersten zwei Wochen. Es war ein körperlich spürbares Kribbeln, man(n) musste oft daran denken, und zwischen den Beinen fühlte sich alles schwer und immer schwerer an, als ob sich ein Tank füllt und immer praller wird.

Es war unangenehm – und das sollte es ja auch sein. Das ist ja irgendwie Sinn und Zweck im SM-Kontext, dass ich für sie leiden darf.

Jetzt ist es einfach so wie es ist. Und, ja, man denkt manchmal daran, aber es ist eher etwas, was im Kopf entsteht, nicht etwas, was der Körper auslöst und einen dann zwingt, daran zu denken. Es ist leichter, es ist weniger leiden, mehr Verzicht… nein, irgendwie vor allem Routine.

Die Keuschheit wird eigentlich nicht mehr besonders thematisiert, Tease & Denial oder so etwas in dieser Form findet aktuell eigentlich nicht statt.

Während am Anfang für den Wegfall der selbstbestimmten Befriedigung die schöne Qual stand und ein starkes Begehren nach der Dame des Herzens, die täglich, nein stündlich schöner und liebreizender wurde (so dies überhaupt möglich ist), fehlt ein solcher Ausgleich derzeit. Anstatt unbefriedigt, aber begehrend und aufmerksam zu sein, fühlt man(n) sich irgendwie eher lustlos, aber auch ein bisschen genervt.

Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Bitte, sag: Nein!

Kann man sich wünschen, etwas Schönes verboten zu bekommen?

Das klingt erstmal ziemlich absurd. Wer möchte schon gerne auf etwas Schönes verzichten? Und selbst wenn, warum muss man dann darauf warten, dass es ein Verbot gibt? Man kann es doch ganz einfach sein lassen.

Tja, nur ist das nicht dasselbe.

Denken wir mal an Schokolade. Leckere, schmackhafte, süße Schokolade, die auf der Zunge zergeht und so herrlich schmeckt. Klar kann man jetzt sagen: Ich esse jetzt keine Schokolade mehr. Aber macht das Spaß? Eher nicht so. Und so nach dem ersten oder zweiten Tag, denkt man dann nicht: Ach komm, was soll’s, wenigstens ein kleines Stück? Warum auch nicht? Und im besten Fall kauft man keine Schokolade mehr, sieht keine Schokolade mehr und vergisst das ganze Thema. Aber Lustgewinn? Keiner in Sicht.

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Ganz anders die Vorstellung, dass sie einem verbietet, bis auf Weiteres Schokolade zu essen. Jeder Tag des Verzichts wird mit einem Strich auf einem großen Blatt Papier, das man täglich anschauen muss, festgehalten. Man hat keine Ahnung, ob und wann man mal wieder davon kosten darf. Sie fragt einen regelmäßig, ob einem denn die Schokolade fehlt, ob es sich komisch anfühlt, dass man jetzt keine Schokolade mehr essen darf. Dass das doch das Erwachsensein ausmacht, jederzeit in jeden Laden gehen zu können und diese herrliche Süßigkeit zu kaufen und so viel davon zu essen, wie man will – nur, tja, man selbst könne das ja jetzt leider, leider nicht mehr.

Wenn man feststellt, dass plötzlich in der Wohnung häufiger Schokolade rumliegt. Dass sie immer dann Lust auf Schokolade bekommt und isst, wenn man dabei ist. Dass sie einen wie im Gedanken versunken fragt, ob man nicht auch ein Stück will – und dann, als fiele es ihr gerade ein, sagt, dass das ja gar nicht gehe. Dass sie einem mit einem Zwinkern ankündigt, mal eine Ausnahme zu machen, an der Schokolade riechen lässt, die Zunge ganz leicht darüber gleiten lässt, nur um dann das Stück lachend zurückzuziehen und einen in die Ecke zu schicken, um mal darüber nachzudenken, warum man selbst keine Schokolade bekomme. Sie aber natürlich schon.

Ja, so hat Verzicht einen Sinn. Man schenkt etwas her, was einem selbst gehört. Man übereignet einen Teil von sich, um seine Verbundenheit mit dem anderen zu dokumentieren, zu belegen. So schafft Verzicht Freude.

Wenn man jetzt nicht unbedingt auf Schokolade verzichtet, sondern darauf, sich selbst zu berühren, dann kommt noch dazu, dass man(n) aufmerksamer wird. Liebevoller. Sich noch enger verbunden fühlt.

Wenn es soweit ist, wird er es verfluchen. Aber er sehnt den Tag herbei, wenn die Dame seines Herzens wieder ein Verbot ausspricht.