Macht und Dominanz ausleben

In der „Süddeutschen Zeitung“ ist heute ein Text mit dem sicher bewusst provokanten (und auf Klicks optimierten) Titel „Emanzipation zerstört die Erotik“. Im Kern werden dort Studien und SexualwissenschaflterInnen zitiert, die zu dem Schluss kommen, dass die heutigen Beziehungen auf Augenhöhe zwar gut sind (Gleichberechtigung und so), aber auch einen Nachteil haben:

Weil die Lust auf Gleichberechtigung die Lust aufeinander schwinden lässt.

Oder: Kein Bock auf Sex, wenn der Mann immer schön die Wäsche aufräumt und im Vergleich der Rollenverteilung von vor 100 Jahren zurücksteckt. Hoppla, da hört wohl jede und jeder D/s-Interessierte genau zu:

Sex dient nicht nur der Triebabfuhr – ginge es darum, wäre ein Partner weitgehend entbehrlich. „Sex ist immer auch ein Kampf um Macht und Dominanz“, schreibt US-Autorin Gottlieb. Männer und Frauen müssten lernen, diese Impulse spielerisch einzusetzen, ohne dass die Partnerschaft aus dem Gleichgewicht gerät. Wer zwanghaft versucht, auch im Bett dieses Gleichgewicht beizubehalten, bringt sich selbst um das Glücksgefühl, sich fallenlassen zu dürfen.

Kann ich gut nachvollziehen. Wobei für mich ein Ungleichgewicht in bestimmten, gemeinsam ausgehandelten Punkten jenseits „des Betts“ auch dazugehört, um zu einem Glücksgefühl des Fallenlassens zu kommen. Etwa indem man grundsätzlich das Recht über seine Sexualität, seinen Höhepunkt, dem Partner überträgt (Keuschheit). Oder indem man Aufgaben im Alltag übernimmt bzw. aufgetragen bekommt, bei denen es bei einer nicht ausreichenden oder fehlerhaften Erfüllung ganz banal Strafen gibt.

Der Text konzentriert sich mehr auf das Thema, (Rollen)spiel rund ums Bett, liest sich in so einem Mainstream-Medium allerdings doch recht interessant. Nur: Es wird irgendwie fast überall davon ausgegangen, dass Frau den Wunsch hat, sich zu unterwerfen gegenüber dem männlichen Krieger, dem verschwitzten Kerl, der Dreck macht statt ihn wegzuputzen.

Hey, und was ist mit uns Männern, die es genau andersrum haben wollen? Immerhin an einer Stelle blitzt es auf, dass es auch sorum sein könnte:

Wer welche Rolle übernimmt, ist dabei nicht die Frage. Das kann wechseln. Wichtiger ist, dass einer von beiden bereit ist, die Führung zu übernehmen. Und einer, die Kontrolle abzugeben.

Insofern ein interessanter Text, vielleicht hilfreich für den einen oder die andere, der/die ganz vorsichtig Partner oder Partnerin einen Einblick in die eigenen Fantasien geben möchte. Ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Und ohne auf irgendwelche Seiten zu verweisen, die vielleicht schon viel zu weit gehen.

 

Wie ein Ehering

Wenn Mainstream-Medien über Dinge wie Keuschheit schreiben, kann das ja schnell in die Hose gehen. Die „Huffington Post“ schafft es immerhin über ein Paar, das sich für eine dauerhafte Form von Keuschhaltung entschieden haben, so zu schreiben, dass das eher interessant als „abartig“ oder „exotisch“ klingt – auch wenn der Text jetzt nicht so wahnsinnig tiefgehend ist.

Mir hat das gefallen:

Now the couple thinks of the chastity device — which Lion wears at pretty much all times unless he’s bathing, going to the doctor or Lioness decides to temporarily release him from it to have sex — as „more like a wedding ring.“

„It’s a symbol of commitment,“ Lion said. „It’s not so much a sex preventative, because the truth is I’m not going to do anything whether I’m locked or unlocked at this point… So, it’s a symbol of, number one, my commitment to her and it’s also her commitment to me, because I’ve transferred to her any opportunity I may have for sexual satisfaction. I mean, without her, I don’t get it. So, she’s got kind of a responsibility to take care of me in that respect.“

Und, ja, fast könnte man(n) da ein bisschen neidisch werden.