Fantasieanregung

Ich glaube ja, dass sich Technologien immer dann durchsetzen, wenn sie sich mit dem menschlichen Wunsch nach Porno-Konsum besonders gut vereinbaren lassen.

Videostreaming zum Beispiel – ich glaube, wir könnten nicht so einfach und gut Netflix schauen, wenn die Technologie nicht durch jahrelange Erprobung auf, nun ja, manchmal doch recht schmuddeligen Pornoseiten große Fortschritte gemacht hätte.

Und mit den Virtual-Reality-Brillen wird es ähnlich sein. Klar, man kann damit tolle Naturdokus schauen und so, und das wird sicher auch für immer das größte Kaufargument bleiben. Playboy wurde ja immer wegen der Interviews gelesen. Aber richtig einen Absatzschub werden die VR-Brillen bekommen, wenn die einschlägigen Sex-Portale im Netz entsprechend aufbereitete Videos ins Angebot aufnehmen.

Und E-Book-Reader haben halt auch den tollen Vorteil, dass niemand sehen kann, was man da so liest. Keine verräterischen Buchtitel, keine einschlägigen Cover. Kein Wunder, dass es bei Amazon Kindle von SM-Büchern und -Geschichten nur so wimmelt. Und manchmal, ganz manchmal, kaufe ich mir da auch so ein kleines E-Büchlein. Lesen bildet ja, sagt man.

Und abgesehen davon, dass ich meistens dann doch recht enttäuscht bin über das literarische Werk, auf der anderen Seite aber angesichts von Preisen, die unter denen für einen Latte Macchiato liegen, auch wieder ein bisschen versöhnt sein kann, findet man ab und an Stellen, die wirklich anregend sind. Fantasieanregend. Und bei denen man sich denkt, ja, das würde ich irgendwann auch gerne mal erleben.

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Fremdbestimmung

Manchmal könnte ich meine Neigung verfluchen. Es könnte so einfach sein, sich ein paar passende Bildchen oder Filmchen herauszusuchen und sich selbst ein wenig Lust zu verschaffen. So wie Männer (und wohl auch Frauen, aber darum geht es ja jetzt hier nicht) es halt so tun.

Aber was tut man, wenn der eigentliche Wunsch nicht ein doch eher simpel zu erreichender Höhepunkt ist, sondern die Fremdbestimmung? Natürlich nicht durch irgendwen, sondern durch die eine Person, die man liebt und in deren Hände man sich begeben hat. Wenn man sich wünscht, Dinge tun zu müssen oder andere nicht tun zu dürfen. Wenn man sich wünscht, das gesagt zu bekommen oder darauf hingewiesen zu werden, was einem genommen wurde und was einem nun versagt ist?

Wenn es nicht um einen Höhepunkt geht, sondern eben darum, keinen zu haben. Aber eben auch wieder nicht einfach keinen zu haben, sondern keinen haben – zu dürfen.

Wenn man sich wünscht, dass einem das Leben unbequem gemacht wird, dass man spürt, dass man sich gegenüber der einen anderen Person unterworfen hat und darum gebeten hat, in diesen Fragen und zu diesen Gelegenheiten nicht gleichberechtigt zu sein. Nicht gleichberechtigt sein dürfen.

Das sind all diese Dinge, die man nicht einfach selbst in die Hand nehmen kann, wie einen schlichten Höhepunkt zu suchen. Und die mir sehr fehlen, wenn ich sie nicht spüren kann. Ja, und dann, aber auch wirklich nur dann, verfluche ich wirklich manchmal meine Neigung. Die alles so interessant macht, aber leider eben auch so kompliziert.

Baden ist schön

Ich habe immer gerne gebadet. Heißes Wasser, Ruhe, was Gutes zu Lesen. Früher habe ich das auch öfter gemacht.

Inzwischen, so ist mir letztens aufgefallen, verbringe ich deutlich mehr Zeit neben der Badewanne. Wenn die Dame meines Herzens darin sitzt. In der Wanne, die ich ihr eingelassen habe. Im Badezimmer, in dem ich die Kerzen angezündet habe und in dem ich ein kühles Getränk (die Betonung liegt auf: ein) bereitgestellt habe.

Ich knie auf den kalten Fließen. Ich stehe in der Ecke mit der Nase an der Wand, damit ich nirgendwo Falsches hinschaue. Manchmal darf ich ihr zur Hand gehen.

Und der schönste aller Momente ist, wenn ich sie danach abtrocknen darf.

Nein, ich kann nicht sagen, dass ich das häufige Baden von früher vermisse.

Mondscheingeflüster

Ich habe kürzlich eine alte DVD wiedergefunden, die ich vor inzwischen schon einigen vielen Jahren mal bestellt und ein-, zweimal angeschaut hatte. Danach hatten alle DVD-Player und Computer-Laufwerke nur noch Fehler gemeldet. Ich hab dann mit der heutigen Technik nochmal funktioniert, die Scheibe zum Leben zu erwecken… und voilà: Moonlight Whispers ist wieder da.

Es ist ein japanischer Film, der die Liebes(?)geschichte zwischen den Schülern Hidaka und Satsuki. Die erst eine ganz normale Beziehung haben, die aber nicht funktioniert, weil er etwas ganz anderes sein will: ihr Hund. Oder eben: ihr Sklave. Und das ist nicht einfach, wenn man den Fuß, den sie auf seine Hand stellt, weil sie wütend ist und ihm weh tun will, so liebt, dass man den Schmerz genießt und den Fuß küsst.

Der Film ist alles andere als ein Porno und sicher auch kein klassischer SM-Film, aber er zeigt Gefühle. Und die Schwierigkeit, diese Gefühle anzunehmen, die man doch nicht ändern kann.

Und es gibt eine schöne Schlüsselszene:

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Nein, nicht das Happy End. Und ein so ganz richtiges Happy End gibt es vielleicht auch gar nicht.

Und es gibt auch eine schöne Erklärung, warum man mit diesen Gefühlen für den anderen ihn nicht einfach in Ruhe lassen kann, einfach weggehen:

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Ein schöner, ein sehenswerter Film, der sich aus der Masse der Filme mit SM-Motiven doch stark abhebt. Was aber vielleicht auch daran liegt, dass es ein japanischer Film ist, der an manchen Stellen eben doch einer anderen Erzählweise folgt, als wir das vielleicht gewöhnt sind.