Strafarbeit

Gestern Abend durfte ich in Abwesenheit der Dame meines Herzens eine Strafarbeit erledigen. Statt wie geplant das Champions League Spiel zu schauen durfte ich einhundert mal (in etwa das) schreiben:

„Ich soll zu meiner Dame des Herzens respektvoll und liebevoll sein.“

Jetzt schmerzt meine Hand und ich bin froh, auf einer Tastatur tippen zu können. Und ich muss an die Tatzen denken, von denen Kari in ihrem Blog geschrieben hat. Schulmeisterliche Erziehung überall.

In meiner Badewanne bin ich…

Ich mag unsere Badewanne nicht. Also nicht mehr. Seit einigen Wochen. Wobei das nicht stimmt. Ich finde Baden wunderschön, im schaumigen warmen Badewasser. Und natürlich liebe ich es, neben der Badewanne zu knien, wenn die Dame seines Herzens dort in aller seelenruhe badet. Aber die Dame seines Herzens hat noch eine neue Anwendung für die Wanne entdeckt.

Er darf sich in die Wanne setzen, normalerweise bekleidet, mit ausgestreckten Beinen. Weil so eine Wanne nie trocken ist klettert die Feuchtigkeit langsam durch den Stoff was banal klingt, aber wirklich unangenehm ist. Nur wenn der Wasserhahn bzw. Duschkopf noch tropft, wird dieses unangenehme Gefühl noch gesteigert. Doch mit Reinsetzen ist es natürlich nicht getan – dann darf er seine Arme heben und seine Handgelenke werden mit einem Tuch zusammengebunden, das dann an der Duschstange festgeknotet wird. Die Folge: Er sitzt mit über den Kopf gehobenen Armen in der Wanne. Natürlich darf er nicht aufstehen oder sich hinknien oder so. Und er kann auch nicht einfach sein Gewicht an die Handgelenke hängen weil die Drohung klar ist: Wenn die Stange aus der Wand reißt, wird er das bereuen.

Klingt jetzt irgendwie öde? Dann sollte man das mal ausprobieren. Die ersten ein, zwei Minuten gehen ja noch. Abgesehen von der Nässe am Boden. Aber danach beginnen die Muskeln zu schmerzen. Erst in den Oberarmen, klar. Aber auch im rechten Bein, im Oberschenkel. Er ruckelt ein bisschen hin, ein bisschen her. Versucht sich an die Wand zu lehnen, sich irgendwie abzustützen. Aber das hilft alles nichts. Es tut weh. Mehr weh. Es tut schon weh, jetzt daran zu denken.

Am Dienstag durfte ich das erleben, am Abend. Nachdem die Dame seines Herzens aufgetragen hatte, ihr einen Tag lang jede Stunde seine Gedanken per Kurznachricht zu senden. Pünktlich. Außerdem musste ich für alles, was ich essen wollte, um Genehmigung bitten. Mittags gab es drei steinalte Stück Brot, leicht angealterte Weintrauben und eine Mandarine (eine Obstsorte, die ich verabscheue). Einen Stück Geburtstagskuchen bei der Arbeit musste ich ablehnen („ich bin auf Diät“, was ja nicht ganz gelogen ist). Hunger und Verlangen nach Süßem ist ein starkes Mittel um mich an die Position gegenüber der Dame seines Herzens zu erinnern.

Und wenn das alles nicht genug wäre, konnte ich an zwei Stunden auch keine Nachricht senden, was mir am Ende 33 Schläge mit dem Rohrstock eingebracht hat. Aber verglichen mit der halben Stunde in der Badewanne, allein, im Fastdunkel, war das sogar gut auszuhalten.

Aber alles in allem ein Tag, an dem ich sehr oft an die Dame seines Herzens gedacht hat – und warum er sie so sehr liebt.