Gehorsam

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Gehorsam ist für mich etwas, was nicht nur in einem Spiel wichtig ist. Gehorsam ist für mich das Vorspiel, und das ist im Idealfall tage- oder wochenlang.

Gehorsam ist für mich, keusch zu sein. Ohne irgendwelche leider meist unpraktischen Abschließeinrichtungen. Gehorsam kann sein, immer die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Oder eine Diät einzuhalten und hungrig zu sein, auch wenn man problemlos essen könnte was man will. Oder natürlich auf eine SMS hin sich in die Ecke zu stellen und zu warten, wenn es sein muss stundenlang, bis die nächste Anweisung kommt.

Gehorsam ist manchmal anstrengend. Gehorsam ist fast immer erregend. Vor allem wenn er anstrengend ist und auch mal weh tut. Und dieser Wunsch nach der Einforderung eines solchen Gehorsams – und der Wunsch nach Strafe für die fast unvermeidliche Verfehlung – sind vermutlich einfach gar nicht erklären, sie sind kaum in Worte zu fassen und allenfalls zu erspüren.

Und so ist leider Gehorsam doch oft nur Autosuggestion. Etwas zu tun, was man sich wünschen würde, dass der andere von einem verlangen würde. Während man es tut ist es toll, später bleibt nur noch eine große Leere. Dieser Gehorsam ist dann auch nix anderes als sich in eine schöne Geschichte reinzulesen. Die man nicht am Ende, sondern nach dem eigenen Höhepunkt zuklappt. Und nach der man sich dann etwas traurig fragt, ob es das wirklich gewesen ist.

Zwei Stunden in der Ecke (II)

Das Schlimme an dem Schönen ist, dass ich damit, mich den ganzen Abend in die Ecke zu stellen, nicht das gemacht habe, was die Dame meines Herzens verlangt hat. Da hätte es auch gereicht, bequem im Sessel ein Buch zu lesen und beim ersten leisen Geräusch an der Tür den mir zugewiesenen Platz in meiner Ecke einzunehmen.

Nein, ich habe das getan, was ich mir gewünscht habe, was sie verlangt hat, und mir dann die Zeit über vorgestellt, dass sie es von mir gefordert hätte. Im Endeffekt haben 98,9% des D/s-Spiels nur in meiner Fantasie stattgefunden.

Es ist vermutlich auch gar nicht so leicht nachzuvollziehen oder sich vorzustellen was es jemandem gibt, zwei Stunden regungslos in einer Ecke zu stehen. Stehen zu müssen.

Oder warum es jemandem eine Form der sexuellen Erregung und ein tiefes Gefühl von Liebe und Zuneigung verschafft, wenn man auf Diät gesetzt wird und dieses dauerhafte leichte Gefühl von Hunger verspürt. Und wenn das von einem Tag auf den anderen wortlos eingestellt wird, dass man dann in ein tiefes Loch fällt und sich zurückgewiesen fühlt.

Manchmal denke ich, dass so ein Masochismus, der aus körperlichem Schmerz Erregung zieht, vergleichsweise einfach zu erklären und zu verstehen ist. Dieser Wunsch nach Demütigung und Kontrolle, der ist irgendwie kompliziert. Fuck.

Zwei Stunden in der Ecke

Gestern habe ich einen Abend in der Ecke verbracht. Also eigentlich nur so etwa zwei Stunden, aber das ist manchmal nach der notwendigen Hausarbeit ja schon ein ganzer Abend. Während die Dame meines Herzens ausgegangen war. Aber sie wünschte, dass ich sie in meiner Ecke erwarten würde. Wenn sie irgendwann zurück komme. Und so stand ich, Nase an der Wand, Arme auf dem Rücken verschränkt, Augen verbunden. Und wartete. Und dachte an sie. Und hoffte, dass sie zwischendrin vielleicht auch an mich denken würde.

Es hat sich sehr richtig angefühlt.

Heute ist das sehr weit weg. Aber die Erinnerung, die bleibt.