Seine Neue Welt: 2. Kapitel

„Auf den Sieg, Mädels!“ Meikes Trinkspruch war in dem Lärm kaum zu verstehen. Überall in dem großen Saal des noblen Hotels standen Grüppchen von Menschen zusammen, lachten, scherzten, tranken. Auf der Bühne war eine Band dabei, ordentlich einzuheizen. Eine ganz normale Party – außer das mit Ausnahme einiger livrierter Kellner, die für Getränkenachschub sorgten, keine Männer in dem Raum waren. Das war eher ungewöhnlich, aber die Erklärung fand sich an der Stirnseite des Raums. Dort prangte ein großes Transparent: „Mit Frauenmacht auf zu einem neuen Leben.“ Die Partei „Demokratische Frauenmacht“ feierte gerade ihren deutlichen Wahlsieg. Die letzte Hochrechnung hatte sie bei 70 Prozent der Stimmen gesehen – und das bei einer Wahlbeteiligung von fast 85 Prozent. Nicht nur, dass die Frauenpartei damit nach Belieben eine Regierung bilden konnte, sie konnte auch die Verfassung ändern – und damit einige ihrer wichtigen Wahlversprechen umsetzen.

„Auf den Sieg!“ antworteten die drei anderen Frauen, die um Meike herum standen kichernd. Ihre Sektgläser trafen klirrend aufeinander. „Wer hätte das gedacht“, lachte Karin, „dass ich einmal mit einer Bundestagsabgeordneten zusammenwohnen würde.“ Sie strahlte Franziska an. Die schaute etwas verlegen zur Seite. „Naja, ich kann da ja nicht wirklich was dafür, ich meine, es war ein guter Listenplatz…“ „Hört, hört, Schwestern, sie schämt sich“, feixte Susanne. „Vor deinem ersten Interview muss das aber ein bisschen professioneller rüberkommen.“ Alle lachten. „Ach komm’, Sanne, ich kann es halt selbst noch nicht glauben, ich meine, dass wir Frauen jetzt…“ Franziska konnte den Satz nicht mehr beenden. Ein lauter Tusch hallte durch den Saal. „Frauen! Schwestern! Freundinnen! Unsere Parteivorsitzende Magdalena Mayrschmidt.“ Donnernder Applaus hallte durch den Saal. Alle drehten sich in Richtung der Bühne, die nun in Dunkelheit getaucht war und auf der nur ein Scheinwerferkegel zu sehen war. Mit erhobenen Fäusten kam eine Frau aus dem Hintergrund gestürzt. Der Applaus schwoll noch einmal an. Die Parteivorsitzende trat an das Rednerpult und machte das Victory-Zeichen in alle Richtungen. Sie wartete geduldig, bis es leiser wurde, dann begann sie zu sprechen.

„Schwestern! Wir haben heute einen historischen Sieg errungen. Wir haben nicht nur die Wahl gewonnen. Nein. Wir haben auch den Auftrag der Wählerinnen bekommen, diese Gesellschaft von grundauf zu verändern. Schluss mit der Misswirtschaft der Männchen!“ Bravo-Rufe und Applaus unterbrachen ihren Redefluss. „Schluss mit Krieg und Patriarchat!“ Der Lärmpegel schwoll weiter an. „Schluss mit Korruption und Arbeitslosigkeit!“ Die Parteivorsitzende hob beschwichtigend die Arme und wartete, bis sich die Begeisterung wieder gelegt hatte. „Wir haben in unserem Wahlprogramm ganz klar gesagt, was wir zu tun gedenken. Und das werden wir nun tun. Wir werden die Männer aus Polizei und Militär entfernen. Wir werden die Schlüsselpositionen der Wirtschaft mit Frauen aus unseren Reihen besetzen, die wissen, dass es um das große Ganze geht und nicht nur um den eigenen Profit. Wir werden die arbeitslosen Frauen wieder in Lohn und Brot bringen. Wir werden dafür sorgen, dass Männer nie wieder in die Lage kommen werden, diesen Staat so zu ruinieren wie heute. Wir wollen ein partnerschaftliches Zusammenleben zwischen den Geschlechtern, aber wir werden das Heft des Handelns nicht wieder aus der Hand geben.“ Applaus brandete erneut auf. „Aber das sind die Themen von Morgen. Frauen! Schwestern! Heute lasst uns feiern!“ Sie hob ein Glas Sekt. „Auf die Frauen! Auf die Macht! Auf die Frauenmacht!“ „Auf die Frauenmacht!“ schallte es ihr vielkehlig entgegen.

Worte wie Ketten

Vorweg: ich mag Ketten. Nicht, weil ich sonst weglaufen würde. Wieso sollte ich? Nein, weil sie die Bewegung einschränken, weil sie mich an meine Rolle erinnern. Weil sie unbequem sind.

Die Dame meines Herzens findet sie oft ein bisschen unpraktisch. Warum sollte sie mich einschränken, wenn das doch auch meine Dienstbarkeit für sie einschränken könnte? Wenn es ihr Arbeit macht, zu fesseln und wieder zu lösen?

Aber es gibt auch Ketten aus Worten. Das kann ein Keuschheitsgebot sein, das ich natürlich einhalte, auch ganz ohne physischen Keuschheitsgürtel.

Oder wie zuletzt meine Erinnerungshilfen, die eigentlich eine Strafe für ein versäumtes Bettenmachen waren. Keine Schokolade, kein Alkohol, Obst zum Frühstück, raus ohne Unterhose etc. Was die Dinge gemeinsam haben: sie waren wirklich unangenehm, aber sie waren zugleich erregend, weil sie mich wie Ketten gefesselt und mich eingeschränkt haben. Sie waren unbequem, aber sie haben mich an meine Position erinnert. Und sie haben dazu geführt, dass ich im Laufe des Tages oft, sehr oft an die Dame meines Herzens gedacht habe.

Jetzt sind die Strafen abgelaufen. Und es fehlt mir. Wenn ich darüber nachdenke, dann sollten solche Dinge, eine ganze Palette von ihnen, eigentlich immer gelten. Die Ketten, die er zu tragen hat. Die vielleicht einmal, zu besonderen Gelegenheiten gelockert werden. Aber nicht mehr.

Eine dauerhafte Erinnerungshilfe.

Und für den – natürlich unwahrscheinlichen 🙂 – Fall, das Strafen nötig werden, lässt sich da problemlos einiges verschärfen…

Merkwürdig

Es ist ja schon merkwürdig, dass man unter einer Strafe leidet, sich aber durch sie zugleich mit der Strafenden so sehr verbunden fühlt und es geradezu bedauert, wenn die Strafe dann abgearbeitet ist.

Und, nein, es geht nicht um die Keuschheit. Die 40 ist voll. Still counting.

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Keine Schokolade heißt auch kein Nutella. Gemein. Naja, heute noch, dann ist die “Erinnerungshilfe“ abgearbeitet.

Und es fühlt sich gut an, wieder eine Unterhose tragen zu dürfen.

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Manchmal fühlt es sich so an, als ob das Bild stimmen könnte… Aber ich habe die Vermutung, dass die Dame meines Herzens in Kürze daran etwas ändert.

Dann ist eher die Frage, ob das Zählen wieder bei 1 losgeht – oder ob ich zunächst mal in die Freiheit entlassen werde.

Seine Neue Welt: 1. Kapitel

Hätte Sven nach dem Aussteigen aus der Straßenbahn das Buch weggesteckt und nicht während des Gehens weiter gelesen, vielleicht hätte er dann die Gefahr rechtzeitig erkannt. Nicht nur seine Mutter, auch seine Freunde hatten ihn wiederholt geneckt, dass er sich irgendwann einmal unter einem Auto wieder finden würde, weil er beim Überqueren der Straße in die Zeitung oder eine spannende Geschichte vertieft gewesen war. Sven hatte sich selbst auch schon mehrmals vorgenommen, das Lesen während des Gehens bleiben zu lassen, zuletzt als er fast mit dem Radfahrer zusammengestoßen wäre, aber es half nichts, er tat es immer wieder. Automatisch. Sven fand Gehen einfach langweilig und Zeitverschwendung, wenn er dabei nicht irgendetwas Neues oder Spannendes in sich aufsaugen konnte. Und gerade hatte er etwas extrem Spannendes in der Hand. Ein Buch, das er vor nicht einmal einer halben Stunde bei der Post abgeholt hatte, weil der Paketbote natürlich wie immer nicht bei ihm geklingelt hatte, sondern lieber gleich eine Benachrichtigungskarte in seinen Briefkasten gesteckt hatte. Es war ein Roman. Ein besonderer Roman. Ein Femdom-Roman. Eine Geschichte über eine Welt unter unserer Welt, in der die Frauen das Sagen hatten, wo die Männer nur Diener und Sklaven waren. Vor allem auch sexuell. Das war eine Fantasie, die Sven schon seit Jahren umtrieb – und die er mit wechselnden Freundinnen auch das eine oder andere Mal ausgelebt hatte. Zumindest ein bisschen.

Er hatte eine Weile gebraucht, um dem Ding einen Namen zu geben. Er war devot und masochistisch. Er liebte es, sich einer Frau zu unterwerfen, von ihr gedemütigt zu werden – und er liebte den Schmerz, wenn sie ihn bestrafte. Seine Familie wusste von dieser Neigung nichts, aber seinen besten Freunden, vor denen er keine Geheimnisse hatte, hatte er es erzählt. Sie hatten ihn ein wenig geneckt, vor allem weil sie meinten, dann müsste Sven die derzeitige politische Lage doch sehr gefallen. So wie es aussah, würde bei der heutigen Bundestagswahl die „Demokratische Frauenmacht“ einen grandiosen Sieg davon tragen. Selbst eine Zweidrittel-Mehrheit, mit der die Verfassung zu ändern war, schien zum Greifen nahe. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation, eine Arbeitslosigkeit, die im vergangenen Monat die Zehn-Millionen-Marke übersprungen hatte und einem verloren Krieg um wichtige Ölquellen in Zentralafrika war die Bevölkerung offenbar bereit, dem Slogan „Die Fehler haben die Männer gemacht“ zu folgen. Und zwar nicht nur die Frauen, sondern auch viele Männer. Sven hatte am Nachmittag sein Kreuz auch bei der „Frauenmacht“ gemacht. Nicht weil er glaubte, dass sie es wirklich besser machen würden, aber weil er sich als Mann schuldig fühlte, dass Frauen in dieser Gesellschaft nicht gleichberechtigt waren, allen Sonntagsreden zum Trotz. Er fand, sie sollten einmal die Gelegenheit bekommen zu zeigen, ob es auch einen anderen Weg gibt. Und wie er dachten viele. Aber mit den Fantasien und seinen Büchern von geknechteten und entrechteten Männern hatte das doch nichts zu tun. Das war seine Gedankenwelt – und weil er in der so tief versunken war, erkannte er die Gefahr nicht.

Die Abkürzung, die Sven zur Wohnung von Tobi machte, war er schon Hundertmal gegangen. Eine enge, dunkle Gasse, die ihm aber den Weg rund um das alte Fabrikgelände ersparte. Er kniff gerade die Augen zusammen, um bei dem spärlichen Licht noch etwas lesen zu können, als er spürte, wie etwas gegen sein Schienbein schlug. Noch bevor er den Blick heben konnte, stürzte er vornüber. Er ließ das Buch fallen und versuchte sich mit den Händen abzustützen, was ihm aber nicht mehr gelang. Lang ausgestreckt fiel er auf den noch vom Regen nassen Asphalt. „Auaaaa“, entfuhr es ihm. Sein Knie schmerzte und an seinen Händen hatte er sich ganz offensichtlich die Haut abgeschürft.

„Was haben wir denn da, ein Männchen, und ganz alleine.“ Er hörte die Stimme einer Frau. Nein, eines Mädchens. In das Blickfeld vor seinen Augen kamen ein paar schwere Armeestiefel, in denen schmale, weiße Beine steckten. Er hörte weitere Geräusche hinter sich, offenbar war das Mädchen nicht alleine. „Hast Du keine Angst?“ Die Frage klang spöttisch. Sven schossen die Gedanken kreuz und quer durch den Kopf. Was hatte das zu bedeuten? Wer war das? Wie viele? Und was wollten sie von ihm? Er drehte vorsichtig die Augen etwas nach oben ohne den Kopf zu bewegen. Es war ganz offensichtlich ein Mädchen, denn nun konnte er einen kurzen ledernen Minirock erkennen. Er entschied sich, aufzustehen. Mit seinen geschundenen Händen versuchte er sich aufzustützen, doch als sein Körper nicht einmal zehn Zentimeter vom Boden entfernt war, spürte er einen festen Schlag auf seinen Rücken und etwas drückte ihn nach unten, dass ihm die Luft wegblieb.

„Unten bleiben, Wurm“, zischte eine andere Mädchenstimme. „Und Silvie hat dich was gefragt.“ Sven versuchte seine Chancen einzuschätzen. Er lag am Boden, er hatte einen Fuß in seinem Rücken und keine Ahnung, wie viele Angreiferinnen – und Angreifer? – überhaupt noch hinter ihm standen. Die Chancen, irgendetwas zu tun, waren verdammt schlecht. „Nein, ich habe keine Angst“, presste er deshalb hervor. „Solltest Du aber“, sagte nun wieder die erste Stimme. Sven musste zugeben, dass er wirklich allen Grund hatte, Angst zu haben – und natürlich hatte er die auch, aber sollte er das zugeben? „Schau mal Silvie, was der Typ liest.“ Noch eine neue Stimme. Offenbar hatten sie sein Buch entdeckt und aufgehoben. Das, schien Sven, war gar keine gute Entwicklung.

„Verzeihung Herrin, ich wollte mich nicht selbst berühren. Es ist einfach so über mich gekommen“, lass Silvie vor. „Der Sklave umklammerte Lady Marions Beine und bedeckte ihre Stiefel über und über mit Küssen.“ Vielstimmiges Kichern unterbrach sie. Offenbar waren um ihn herum mehr Mitglieder dieser Mädchen-Gang als er gedacht hatte. „Jetzt seid doch mal still“, sagte die, die die anderen Silvie genannt hatten, ungehalten. „Er wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte, und dass er dafür bestraft werden würde. Sie würde ihn mit dem Rohrstock züchtigen, bis seine Schreie von den Wänden ihrer Wohnung widerhallten. Und er wusste, dass er es verdient hatte.“

Sie machte eine Pause. „So was gefällt die also, hmmm?“ Sven schwitzte jetzt. Die Sache hatte eine Wendung genommen, die ihm Angst machte. Er schwieg. „Na gut, du musst nichts sagen, aber ich glaube, wir haben da ähnliche Vorstellungen, wo ein Mann hingehört.“ Sie drückte ihm ihren Stiefel unter die Nase. „Leck, Sklave. Und du, Tina, geh doch mal drüben in den Park und hol einen schönen, dünnen Stock. Und ihr, zieht ihm mal die Hose aus.“ Vielstimmiges Gelächter war die Antwort. Sven öffnete seinen Mund und begann, das feuchte Leder des ihm dargebotenen Stiefels zu lecken. Seine Nackenhaare stellten sich auf, aus Furcht, was noch kommen würde, aber zwischen seinen Beinen begann sein Schwanz unaufhörlich zu wachsen. Er war erregt.