Beim Bearbeiten der Fotos denken, das ist immer noch die Frau „I would love to love“, aber auch der bohrende Schmerz in der Nacht, nicht gefragt zu werden, mit aufs Urlaubsselfie zu kommen.
Fühle mich zunehmend ans unglücklich Verliebtsein mit 17 und hoffe, dass das zumindest irgendwie jung hält.
Es macht es nur auf den ersten Blick einfacher, es rational zu sehen. Mich triggert es noch, ihre lackierten Fußnägel zu sehen oder ich stelle mir Dinge* vor, wenn ich im Bett liege und darauf warte, einzuschlafen.
Aber es ändert nichts daran, dass es umgekehrt nichts gibt.
Da ist nichts an mir, was die Dame des Herzens noch triggern würde und auch das reine Gefühl von Dominanz ist nichts mehr, was sie anstrebt; zumindest wenn ich involviert bin.
Ich kann mir tausendmal vorstellen* wie es wäre, wenn nachts die Tür aufginge und die DdH hereinkommen würde. Es wird nicht passieren, auch beim tausendersten Mal nicht.
Die Frage ist nur, was die rationale Folge daraus ist. Nur die muss ich mir nicht beantworten, so lange ich irrational bleiben kann und es eben nicht rational sehe.
In den kommenden Tagen gibt es vielleicht ein paar Kurzsnippets, Ergebnisse meiner Fantasie und keine realen Ereignisse. Ich mag es, bei der Hitze die Gedanken fliegen zu lassen.
Im fremden Land einkaufen ist beim ersten Mal immer aufregend, finde ich. Was es da so für Sachen gibt… beide packen in den Einkaufswagen, was ihnen besonders gefällt.
An der Kasse kommen die Sachen aufs Band.
„Hä, warum hast Du denn eine Wäscheleine und Wäscheklammern gekauft? Im Ferienhaus ist doch ein Wäscheständer…“
Ein kurzer Blick ins lächelnde Gesicht. „Ich weiß.“
„Oh.“ Mit rotem Gesicht weiter Sachen aufs Band legen.
So ein schönes Ferienhaus-Bett. Für mich. Es zerreißt mir geradezu das Herz, das mich niemand daran festbinden wird, wo doch alles an ihm geradezu danach schreit. Und in mir.
Dieses Bett schreit förmlich nach Seilen oder Tüchern, um Hand- und Fußgelenke zu fixieren…
Ich glaube, es wäre einfacher, wenn ich es einfach nicht mehr fühlen würde. Wenn ich es nicht hinter einer hohen Mauer von „alles ist gut“ verstecken müsste, wenn ich keine Gleichgültigkeit und Garstigkeit vor meine Verletzungen stellen würde, wenn ich mein Ich anderswo rausließe und es nicht so bemüht und krampfhaft für mich und so unsichtbar nach außen in die Kiste „kann weg“ sperren wollen würde.
Ich habe ein fast 12 Jahre altes Foto gefunden. 9 Kreidestriche auf einer Tafel im Flur, damals, Ende August. Sie standen für 9 Tage ohne Orgasmus und eigenes Anfassen. Es kamen noch einige dazu.
9?
Heute könnte ich 7 machen, hätte ich noch eine Tafel. 7 Tage nicht nur ohne Orgasmus und ohne Anfassen, sondern auch (bis auf kurze Öffnungen zum Reinigen) verschlossen in einem engen Plastikkäfig.
Was fehlt ist jemand, die es sieht. Die es genießt. Die es wünscht. Jeden Tag schaue ich auf mein Smartphone und fühle diese Enttäuschung. Aber so ist es für mich, mit mir. Nennen wir es Übung.
Das schmutzige Geschirr lacht mich von der Spüle aus an, während ich nur ein paar Schritte entfernt versuche, mich am Laptop auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Wie schön wäre es (und wie schnell wäre die Arbeit erledigt), würde es mir jetzt einfach jemand anweisen, endlich abzuspülen. Mich dazu womöglich noch ins richtige Outfit zu werfen. Ruckzuck erledigt, schätze ich mal. Macht aber niemand.
Ich könnte es mir natürlich selbst „befehlen“. Alleine wäre ich, Gelegenheit hätte ich, nur mal schnell umgezogen… Aber so tief möchte ich dann doch nicht sinken.
Soll mich das Geschirr halt weiter anstarren, ich starre jetzt zurück.
Jetzt habe ich mich wieder in meiner Gedankenwelt verloren. Kurze Bilder, Fantasieschnipsel, ein bisschen erregt bin ich schon. Von schmutzigen Geschirr. Nein, dem was man draus machen könnte. Wenn ich Gelegenheit und Zeit schon nicht für das Abspülen nutze, dann könnte ich doch… mir doch… Aber nein, ich werde jetzt nicht den kleinen Schlüssel holen und mich aufschließen. Das nicht.
Wenigstens das fühlt sich gut an. Wenn auch ziemlich dumm.
…und ich kann nicht anders als mir vorzustellen wie das war, als ich noch im Dienstmädchen-Kleid dann hätte den Abwasch erledigen dürfen, während sie bequem in Sessel sitzend ein Glas Wein trinkt und höchstens mal spöttisch rüberschaut.
Wenn ich so darüber nachdenke, kann könnte BDSM gerade unangenehmen Dingen im Leben einen erfreulichen Anstrich geben.
„Was ist das eigentlich für ein Schlüssel an der Kette um Deinen Hals?“ Sie hatte die Frage erwartet, irgendwann. Sie hatte darüber nachgedacht, was sie sagen sollte, wenn ihre Freundin diese Worte aussprechen würde. Und hier standen sie nun, am frühen Samstagnachmittag auf dem Markusplatz in Venedig. Und sie musste lächeln, während sich die Worte in ihrem Kopf formten, und sie an den Moment vor rund 24 Stunden zurückdachte. Als sie zu Hause in ihrer Wohnung stand, die kleine Reisetasche, gerade so groß, dass sie noch als Handgepäck durchgehen würde, fertig gepackt.
„Soll ich euch wirklich nicht zum Flughafen fahren?“ Sie schüttelte den Kopf auf seine Frage. Früher vielleicht, als man sich vor der Sicherheitskontrolle noch einen Abschiedskuss gegeben hätte, eng umarmt „gute Reise“ wünschend, bevor man sich noch so lange immer wieder angeschaut hätte, bis man sich hinter den Sicherheitsschleusen aus den Augen verloren hätte. Aber heute? Wozu? „Nein, das ist nicht nötig. Wir fahren mit der Bahn, da kann man das sowieso besser timen. Und Parkplätze sind am Flughafen eh viel zu teuer.“ Er zuckte mit den Schultern, während sie noch anfügte: „Schau Du nur mit den Kindern das Deutschland-Spiel.“
Sie war sich nicht ganz sicher, ob es eine aus dem Wunsch, höflich zu sein, geborene Frage von ihm gewesen war oder sein echter Wunsch. Aber letztlich war ihr das auch egal. Natürlich hatte sie zuletzt bemerkt, wie er sie angesehen hatte. Als sie am Wochenende das geblümte Kleid anhatte. Oder wie er auf ihre lackierten Zehennägel in den Sandalen schaute. Vielleicht hatte es den Gedanken ein klitzekleines bisschen befeuert.
„Ok, dann nicht. Hast Du sonst alles?“
„Ich denke schon. Außer…“ Sie tat so, als ob sie überlegte. „Ich hätte gerne den Schlüssel. Beide Schlüssel.“ Sie konnte sehen, wie er zusammenzuckte.
„Welchen… Schlüssel?“
„Stell Dich nicht dumm. Ich lese Deinen Blog. Ich möchte beide Schlüssel zu dem kleinen Käfig, den Du zwischen Deinen Beinen hast, in einer Minute hier vor mir auf dem Tisch liegen haben.“
„Aber, wir hatten doch..:“
„Jetzt sind es noch 55 Sekunden.“
Er lief ins Bad und holte von dort den einen Schlüssel. Dann kam er zurück, griff sich seinen Schlüsselbund vom Regal und fummelte das zweite Exemplar vom Schlüsselring ab. Hastig trat er an den Tisch und legte beide wortlos vor sie auf die Tischplatte, bemüht, sie nicht anzusehen. Sie hatte sich inzwischen hingesetzt und aus ihrer Tasche einen auffällig gemusterten Briefumschlag gezogen. Wortlos nahm sie einen Schlüssel und steckte ihn in den Umschlag, den sie dann sorgfältig verklebte. Dann nahm sie eine zierliche silberne Halskette aus der Tasche und legte sie vor sich auf den Tisch. Ruhig, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, begann sie, den Schlüssel dort an dem Ring zu befestigen, der statt eines Anhängers dort vorne angebracht war. Sie hörte die Aufregung in seinem Atem und sie musste zugeben, dass ihr das gefiel.
„Fertig.“ Sie legte sich die Kette um und der kleine Schlüssel baumelte nun sicher um ihren Hals. Sie schob ihm den Umschlag rüber. „Der bleibt verschlossen, außer der Notarzt braucht ihn dringend.“ Jetzt hob er den Blick und sah sie überrascht an. Sie grinste breit. „Oder es gibt einen anderen Notfall oder triftigen Grund. Ansonsten wirst Du so einen Umschlag nirgendwo hier bekommen und wenn er grundlos geöffnet ist, wenn ich zurückkomme, dann gibt es Ärger.“ „Ja, aber…“ „Aber, aber. Aber das willst Du doch? Du willst verschlossen sein. Du willst ausgeliefert sein. Du willst damit da unten nichts anfangen können, während ich…“ Ihre Hand schob sich aufreizend zwischen ihre Beine. „Während ich mich in Italien vergnüge und tun und lassen kann, was ich will.“ Sie konnte bis hierhin hören, wie er trocken schlucken musste. „Aber wie soll ich mich denn sauber machen, also da unten. Wenn ich den Käfig nicht abnehmen kann?“ „Ach.“ Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das wird schon gehen. Mit mehr Wasserdruck vielleicht. Viel Seife. In der Badewanne. Was weiß ich, da fällt Dich schon was ein. Das ist ja wirklich nicht mein Problem, wo ich nicht mal hier bin, oder?“ Sie konnte sehen, dass ihm die Situation peinlich war, obwohl er sich diese oder eine ähnliche bestimmt Tausendmal in seinen Gedanken ausgemalt hatte, vor dem Einschlafen, nach dem Aufwachen, während des Joggens. Immer und immer wieder.
„Du musst nur sagen, gib mir den Schlüssel zurück, dann gebe ich ihn Dir.“ Sie stand auf, nahm ihre Tasche und ging Richtung Tür. „Also?“ „Ich… ich…“ Er hasste es, wenn er stammelte. „Ich hoffe, ihr habt schöne Tage.“ „Werden wir haben, danke.“ Jetzt war sie an der Tür, „Und ich habe nicht gesagt, dass ich den Schlüssel benutze, wenn ich zurück bin.“ Und während er noch überlegte, was sie damit meinte, war sie durch die Tür gegangen, hatte sie hinter sich ins Schloss fallen lassen und begann beschwingt, die Treppe hinunterzugehen.
Und jetzt stand sie hier, mitten in Venedig, und bekam die Frage gestellt, die irgendwann unvermeidlich gewesen war. „Was ist das eigentlich für ein Schlüssel an der Kette um Deinen Hals?“ „Ach der.“ Sie nahm ihn in die rechte Hand und ließ ihre Finger an dem von der Sonne und ihrer Haut gewärmten Metall entlang gleiten. „Das ist der Schlüssel zu meinem geheimen Tagebuch. Das habe ich zu Hause gelassen, aber ich wollte nicht, dass irgendwer da heimlich reinschauen kann.“ „Ach, Du führst Tagebuch? Interessant, wusste ich gar nicht. Wäre mir zu anstrengend, da jeden Tag was aufzuschreiben. Wollen wir da vorne vielleicht erstmal einen Eiscafé trinken, bevor wir weiterlaufen? Mir tun schon die Füße weh.“ „Gute Idee.“ Sie ließ den Schlüssel aus ihren Fingern gleiten. „Eiscafé ist genau das richtige.“