Vor langer Zeit

Vor genau 7 Jahren habe ich ein Fußkettchen geschenkt bekommen. Als ein mehr oder weniger subtiles Zeichen. Ich habe mich sehr geliebt und sehr devot gefühlt.

Das Kettchen gibt es nicht mehr. Nur noch dieses Foto, das mir heute in die fotografischen Erinnerungen gespült wurde.

Step by step

Wir haben jetzt den Punkt „getrennte Schlafzimmer“ erreicht. Nicht zu Hause, da fehlt es am Platz, aber woanders, unterwegs, dort wo es geht. Es ist nicht besprochen, es ist keine gemeinsame Entscheidung, es ist einfach passiert, von ihr gewollt, von mir akzeptiert.

Es ist komisch, so etwas wie einer langjährigen Beziehung beim Zerfall zuzuschauen. Letztlich ohne bis jetzt zu verstehen, warum. Der Rest ist zusammengekittet von familiären Aufgaben, Gewohnheit und über Jahre entstandenen gemeinsamen Verpflichtungen.

Alleine auf dem Balkon

Manchmal kommt man auf seltsame Gedanken. Gestern Abend, als die DdH unterwegs war, habe ich gedacht, ich könnte mal eine Situation simulieren, wie ich sie früher geliebt habe: alleine, von der Außenwelt isoliert, darauf wartend, dass _sie_ kommt und mir wieder gestattet, irgendetwas zu tun, etwas zu sein, mich nützlich zu machen.

Ich habe mich auf den Balkon gesetzt, die Augen verbunden und mit dem Kopfhörer Musik gehört. Musik, die ich sonst nicht höre, Elektro/Trance, einfach ein Klangteppich, um mich von dem Draußen komplett abzuschirmen. Keine Fesseln oder so etwas, einfach nur bewusst unbeweglich dasitzen, nichts sehen, nichts hören. Nichts tun. Warten. Daran denken, was sie gerade tut. Dass sie etwas tut.

In meiner Fantasie habe ich mir vorgestellt, was passieren könnte, wenn sie nach Hause kommt und ich so dasitze.

In der Realität war es gestern einfach so kühl, dass ich nach etwas mehr als einer Stunde das Experiment lieber abgebrochen habe – eine Erkältung kann ich jetzt gerade nicht gebrauchen. Und ich denke, es ist auch besser so gewesen. Dass, was ich mir gewünscht hätte, wäre ohnehin nicht passiert.

Es ist am Ende immer sehr zwiespältig. In dem Moment hat es sich für mich sehr gut angefühlt. Und jetzt bin ich doch ein wenig traurig.

No sex

Ich habe in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht. Ich kann mir vorstellen, ohne Sex auszukommen. Aber ich kann nicht ohne Dominanz, ohne Submission, ohne Bondage oder ohne diese spezielle Form von Schmerz in meinem Leben auskommen.

ohne feste hände

Darf man in solchen Zeiten über SM nachdenken? Ich frage mich das natürlich, aber es ist ja nicht so, dass ich mich nicht (sehr ausgiebig) mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine beschäftigen würde – nur an anderen Orten als hier, mein anderes Ich.

Dieser Krieg und ein, zwei andere Ereignisse haben aber auch dazu geführt, dass für mich „irgendwann später“ zu einem schwierigen Konzept geworden ist. Natürlich muss man manchmal geduldig sein und abwarten, aber wenn man alles nach hinten schiebt, auf eine Veränderung in der Zukunft zum Guten hofft, dann kann es sein, dass man es nie erlebt.

Ich habe hier geschrieben – und sogar diesen Blog so benannt – dass ich „in festen Händen“ bin. Das stimmt für die Bedeutung, die die Mehrheit der Menschen daraus lesen würden und die mich sehen und erleben immer noch. In der anderen Bedeutung, dass feste Hände mich dominieren, führen, bestrafen, quälen ist das schon lange Zeit nicht mehr zutreffend.

Die Gefühle der DdH haben sich geändert, ihre Wünsche, ihre was auch immer – und so habe ich zwar immer noch jeden einzelnen Tag den Wunsch, vor ihr zu knien, weiß aber, dass das auf absehbare Zeit wohl nicht passieren kann. Und vielleicht (oder wahrscheinlich) auch überhaupt nicht mehr passieren wird.

Für mich entsteht aber Nähe, ein Gefühl von Geborgenheit, von Ruhe und auch von Entspannung (neben vielen anderen Gefühlen), dadurch, dass ich vor jemandem knie, dass ich gehorche, dass ich diene, dass ich mich quälen lasse, dass ich Schmerz und Verzicht spüre. Und diese Gefühle sind zum einen etwas, was ich gerade in diesen Zeiten brauchen würde, und das ist zum anderen etwas, was ein Teil von mir ist, kein Hobby.

Nur so, wie ich _das_ empfinde, empfindet die DdH das alles nun mal nicht und vermisst nichts. Und so wenig wie ich es ändern kann, dass ich so fühle, kann ich erwarten, dass sie ihre Empfindungen und Gefühle ändern kann. Dass ich das in den vergangenen Monaten nicht verstanden habe ist noch einmal ein anderes Thema.

Ich habe mich heute einfach einmal 20 Minuten in die Ecke gekniet. Aber man kann vielleicht Yoga alleine machen, SM nicht.

Natürlich sind das alles in diesen Zeiten Luxusprobleme. Aber es sind eben auch meine Luxusprobleme.

Filmtipp: Love and Leashes

Es gibt ja nicht so viele Filme, die das Thema BDSM behandeln. Und bei denen man sich als Mensch, der etwas mit diesen Neigungen verbindet, nicht beim Zuschauen schämt. Zum Beispiel gibt es da „Secretary“. Den Film mag ich wirklich, aber mich hat daran doch immer dieses Kindheitstrauma-Ding gestört.

Deshalb ich die koreanische Produktion „Love and Leashes“ gleich mal auf meine Liste gesetzt, als der erste Teaser gezeigt wurde – auch weil es dort um das Thema Femdom geht. Und jetzt kann man den Film endlich schauen.

Die Story in Kurzform: Mann kommt in Firma in neue Abteilung und lernt Frau kennen, die ihn fasziniert. Aber nicht so, wie man das gemeinhin denkt, sondern mit Blick auf seine Neigungen – und die sind eben: einer Frau zu diensten zu sein. Großes Glück: Frau lässt sich darauf ein und wir seine „Herrin“. Aber es gibt natürlich Komplikationen, Missverständnisse und Hindernisse. Und wie es endet wird natürlich auch nicht verraten.

Es ist eine „romantische Komödie“, deshalb ist vielleicht nicht alles genau so, wie man das selbst erzählen würde. Und es ist teilweise – mit einer Sprecherin – sehr didaktisch, um auch die Leute mitzunehmen, die von BDSM und so noch nie etwas gehört haben. Aber alleine für die Szene, in der die beiden mit einer Handfessel aneinandergekettet einen Nachmittag an einem belebten Ausflugsort verbringen, könnte ich die Macher:innen knutschen. Sowas hätte ich mir auch immer mal gewünscht. Aber was noch viel wichtiger ist: Der Film dreht sich um Moralvorstellungen und insbesondere auch um die persönlichen Zweifel an dieser eigenen Neigung. Und es geht um Verletzungen, die nicht von Schlägen herrühren, um Ängste und um die verschiedensten Formen der Liebe.

Es ist einfach ein schöner Film, den man so wegschauen kann. Und in dem ich mich an vielen Stellen wiedererkannt habe. Ich kann ihn nur empfehlen.

Love and Leashes – jetzt auf Netflix

5 Arten, eine Frau zum Orgasmus zu bringen (Teil V)

Ich dachte mir, es wäre vielleicht wieder Zeit für eine kleine Beitragserie. Passender wären ja 24, so als Adventskalender, aber ich denke, ich fange mal mit fünf an. Über jedes Feedback zu den Sehrkurzgeschichten freue ich mich sehr.

Sie kniet auf allen Vieren auf dem Bett. Ich stehe hinter ihr. “Fick mich, hart.” Ich lasse etwas von dem Gleitgel auf meine Hand laufen und verreibe es, damit es wärmer wird. Der Schwanz ist längst hart. Hart und groß. Ich reibe die Flüssigkeit an ihn, der sie gleich nehmen wird. Vorsichtig nähere ich mich ihr. Der Kopf des Penis ist jetzt kurz vor dem Ziel. Sie schiebt sich etwas näher an mich heran, drückt den Rücken durch, bietet sich dar. Meine Hände gleiten über ihren Po, steicheln ihn, fassen ihre Hüften. “Los, nimm mich.”

Mein Becken stößt vor und der Schwanz versinkt in ihr. Sie stöhnt. Laut. Fordernd. Ich beginne mich zu bewegen. Vor. Zurück. Vor. Zurück. Ich stoße hart zu. Sie drückt sich gegen mich. Versucht, in genau das gleiche Tempo zu kommen. “Braver Sklave. Besorg es mir.” Meine Hände greifen fester. Ich stoße zu. Ich will ein guter Sklave sein. Ich will ihr Sklave sein.

Der Schwanz, der jetzt tief in ihr ist, wird ihr heute einen Orgasmus schenken. Oder mehrere. Das ist mein einziger Wunsch in diesem Moment. Es stört mich nicht, dass ich ihn vergangene Woche für sie in einem Online-Shop gekauft habe und mein eigener Schwanz, höchstens ein Drittel so groß wie dieses Prachtexemplar, in einem Plastikkäfig fest verschlossen zwischen meinen Beinen hängt. Es ist mir egal, ob mein eigener Schwanz neidisch ist auf diese fremde Konkurrenz. Der fremde Schwanz hat eine Aufgabe, einen Zweck. Und ich habe jetzt auch einen Zweck. Ich bin nützlich, ich fühle mich ihr nah. Ich bin dankbar. Und ich stoße. Und stoße. Und stoße. Und sie stöhnt so wunderbar.

5 Arten, eine Frau zum Orgasmus zu bringen (Teil IV)

Ich dachte mir, es wäre vielleicht wieder Zeit für eine kleine Beitragserie. Passender wären ja 24, so als Adventskalender, aber ich denke, ich fange mal mit fünf an. Über jedes Feedback zu den Sehrkurzgeschichten freue ich mich sehr.

Sie hat es sich auf dem Bett bequem gemacht. Auf dem Rücken. Es hat eine Weile gedauert, bis das Kissen genau so lag, wie sie es mag. Sie hat die Beine leicht angewinkelt und gespreizt. Sie atmet ruhig. Die Augen sind geschlossen. Ihre linke Hand streichelt ihre linke Brust. Die rechte ist in ihrem Schoß. Ich genieße den Anblick. Und wie sich dieser feine Duft langsam im Raum ausbreitet. Ich könnte ihr stundenlang so zusehen.

Aber jetzt nimmt sie die Hand aus ihrem Schoß. Ihr Finger zeigt auf mich, ohne dass sie den Kopf bewegt oder die Augen öffnet. Sie schnippt einmal. Langsam kniee ich mich auf das Bett und nähere mich ihr. Mein Mund küsst vorsichtig ihre Fingerspitze. Meine Zunge traut sich nach draußen und nimmt eine erste Probe. Wie ich diesen Geschmack liebe. Oder bilde ich mir den Geschmack nur ein, weil meine Nase jetzt diesen, ihren Duft so intensiv wahrnimmt? Egal. Ich beginne, den Finger einzusaugen. Meine Zunge umspielt ihn jetzt in meinem Mund. Köstlich. Ohne Vorwarnung zieht sie ihn heraus und ihre Hand drückt meinen Kopf hart und bestimmend nach unten. Also ob ich dazu gedrängt werden müsste.

Ich beuge mich tief nach unten und meine Lippen küssen die Haut über ihrem Schoß. Ich umkreise ihr Zentrum mit meinem sanften Küssen. Meine Zunge leckt ab und an die weiche, warme Haut. Ich bewege mich etwas weg zu den Oberschenkeln, aber kehre rasch wieder um. Und dann berühren meine Lippen ihre Lippen. Dort unten. Ich höre ein leises Geräusch, das ihrem Mund entweicht. Sanfte Küsse, viele sanfte Küsse.

Und dann beginnt meine Zunge diesen Ort zu erkunden. Es ist nur der Anfang. Später wird sie sich mehr bemühen müssen. Sie wird lecken müssen, sich an ihr reiben, sich kräuseln und tief eindringen. Die Lippen werden aufmerksam sein müssen, mal saugen, mal streicheln. Ich werde mich anstrengen, ihre kleinsten Bewegungen zu spüren und richtig zu deuten. Wann es schneller sein muss, wann langsamer. Wann fester, wann fast nicht spürbar. Ich werde sofort reagieren, wenn ich ihre Hand auf meinem Kopf spüre, wenn sie mich führt. Von diesem Moment an habe ich nur noch ein Ziel: Ihr einen Orgasmus schenken. Oder zwei. Oder drei. So viele und so lang, wie sie möchte. Ich will ihr gefallen, ich will sie beeindrucken, ich will für sie da sein. Meine Zunge kreist und ich freue mich, diesen leichten Schauder zu spüren, der durch ihren Körper fährt.